Storytelling – leider keine messbare Einheit – aber wir brauchen mehr davon

Ich habe heute Morgen den Blog „Storytelling? Hört auf damit!“ (1) von Christian Pfennig (2) und den darauf aufsetzenden Blog „Storytelling? Weniger ist mehr!“ (3) von Mike Peter Schweitzer (4) gelesen und möchte mich gerne an der kritischen Auseinandersetzung und den Interpretationen des Fluchs und Segen der Storytelling-Thematik beteiligen.

Da der Begriff Storytelling dazu verleitet, dass er von jedem (*) frei interpretiert verwendet wird, möchte ich eingangs gerne die Definition, die auf Wikipedia zu lesen ist zu rate ziehen. Da heißt es:

Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“) ist eine Erzählmethode, mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form von Leitmotiven, Symbolen, Metaphern oder anderen Mitteln der Rhetorik weitergegeben wird. (5)

Beim ersten Lesen des Satzes wird man hier keine Neuigkeit finden – wenn man aber kritisch nach der Verbindung von Wissen und Leitmotiven sucht, dann wird es schon dünn, Storytelling in der Kommunikationslandschaft zu finden. Halten wir uns aber an die Notwendigkeit, Storytelling als eine Methode zur interessanten und einprägsamen Wissensvermittlung zu verstehen, so finde ich es gleichermaßen faszinierend und logisch, dies in der Kommunikation – sei es PR oder Journalismus – zu verwenden.

Unter der zwingend notwendigen Zutat „Wissen“ in Form der Informationsvermittlung kann nach meiner Einschätzung auch das Narrativ mit Werten und Emotionen eingebunden sein. Dieses sollte aber eben nicht mit dem Wissen beliebig vermischt werden, sondern als Meinung und Haltung hiervon abgegrenzt sein. Wie in den beiden anderen zitierten Blogs sehe auch ich die Auswüchse, dass teilweise Meinung als Information verpackt und dann unter der Bezeichnung Storytelling verbreitet wird.

Ebenso ist der Zusammenhang der emotionalen und der sachlich-inhaltlichen Information eine Frage der Seriosität und des Anstands. Wird in der Werbung schon immer (zumindest solange ich mich erinnern kann) eine willkürliche Allianz zwischen Emotion und Thema transportiert, so sehe ich dieser Entwicklung in sachlicher PR-Arbeit und Journalismus mit Entsetzen entgegen.

Da die Überprüfung der Sachlichkeit und der realen Zusammenhänge zwischen Information (Inhalt) und Erzählform (Verpackung) aber für den Konsumenten nicht (einfach) prüfbar sind, besteht genau hier die Gefahr.

Mit dem wachsenden Geschick, Halbwahrheiten, Propaganda, und sogar Lügen in schöner Form zu erzählen und zu verbreiten, wächst die Verantwortung der seriösen Kommunikatoren.

Solange es uns nicht möglich ist, eine Norm für Anstand der Kommunikation zu definieren, wünsche ich mir ganz viel Storytelling von denen, die sich dieser Verantwortung bewusst sind. Eine langweilig formulierte Wahrheit findet (leider) weniger Beachtung als eine gut aufgemachte Halbwahrheit. Das können wir schade finden – aber wir können es nach meiner Meinung nicht ändern.

Vielleicht schaffen wir es, eine Art „Kodex“ für ein gutes Storytelling zu erstellen. Das mag ein kindischer Wunsch sein; aber ein Versuch ist es (mir) wert.

  • Die sachlichen Informationen in diesem Artikel sind nach meinem Wissen richtig und vollständig wiedergeben.
  • Meine Meinungen und Haltungen zu dem Wissen sind als solche zu verstehen und abgegrenzt.
  • Die von mir geschilderten Zusammenhänge und Metaphern sind nach meiner Überzeugung im Kontext der Information relevant und passend. Der Zusammenhang ist dargestellt.

Das sind die ersten drei „Regeln“, die mir einfallen. Ich werde sehr gerne an diesen Regeln weiterarbeiten und Eure Kommentare und Vorschläge einbinden.

Und so schließe ich mich Mike Peter Schweitzer (4) an und hoffe, dass hier eine weitere Kommunikation entsteht.

Euer

/Eckhard Klockhaus

(*) (Info) Aus Gründen der Lesbarkeit verwende ich in meinen Blogs meist männliche Substantive. Das schließt die weibliche Form der Begriffe jedoch selbstverständlich mit ein. Wenn zum Beispiel von Nutzern die Rede ist, so sind stets Nutzerinnen und Nutzer gemeint.

1.     Blog: Storytelling? Hört auf damit!

https://www.linkedin.com/pulse/storytelling-h%C3%B6rt-auf-damit-christian-pfennig/

2.    Christian Pfennig: https://www.linkedin.com/in/christian-pfennig-979064160/

3.    Blog: Storytelling? Weniger ist mehr!

https://www.linkedin.com/pulse/storytelling-weniger-ist-mehr-mike-peter-schweitzer/

4.    Mike Peter Schweitzer: https://www.linkedin.com/in/mike-peter-schweitzer-6a9103117/

5.    Definition Storytelling Wikipedia (Stand 16.06.2019)

https://de.wikipedia.org/wiki/Storytelling_(Methode)

Fotos: Bild von Stefan Keller auf Pixabay

(Teaser) Storytelling: Hört auf damit / weniger ist mehr / wir brauchen mehr davon. Drei Sichten – drei Aufrufe – aber nicht unbedingt ein Widerspruch.

Vielen Dank an Christian Pfennig und Mike Peter Schweitzer für den Start. Vielleicht geht es ja weiter.

#Storytelling

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